Dienstag, 3. November 2015

Apfelbaumrinde direkt und fermentiert

ich nehme auch diese Jahr wieder am Projekt Pflanzenfarben 2015 teil. Dazu färbt jeder der Teilnehmer eine bestimmte Wolle in einer bestimmten Menge mit einer Pflanzenfarbe seiner Wahl und diese werden dann unter den Teilnehmern getauscht, so dass eine bunte Vielfalt für jeden entsteht.
Meine Wahl für die Färbung ist diese Jahr auf Apfelbaumrinde gefallen:

Vorüberlegungen: 

Ich habe bereits letztes Jahr mit Apfelbaumrinde gefärbt, diese habe ich gleich frisch verwendet. Diese Färbung war nach dem Rezept von Frau Fischer. In diesem Frühjahr habe ich die verschiedenen Fermentationen ausprobiert: zum Einen die verschiedenen Beiz- Fermentationen und auch die verschiedenen Färbemethoden, das Tauchen und trocknen als auch das Kochen in der Fermentationsflüssigkeit. Danach habe ich die Färbungen für einige Zeit dem Licht ausgesetzt, um auch eine Aussage über die Lichtechtheit zu gewinnen, sowohl im Bezug auf die Beizen als auch auf das Färbeverfahren.
Entschieden habe ich mich für 2 verschiedene Beizverfahren. In beiden Fällen habe ich mich schlussendlich zum Kochen in der Flüssigkeit entschieden.

Rezept 1: Nach Dorothea Fischer 

Vorbeize 14% Alaun, 1h gekocht, anschließend gespült.
Färbung mit 100% trockenen Rinden.
Die Rinde 2 Tage einweichen, 3h auskochen, abseihen und Rinde in Färbebeutel einbinden.
die Wolle des 1. Zug ohne Färbebeutel 1h kochen, den 2. Zug mit Färbebeutel ebenfalls 1h kochen, den 3. Zug mit frischem Färbebeutel 1h kochen, diesen kann man mit 3% Eisensulfat oder Eisenwasser zu moosgrün nuancieren.

Färbevorgang: 

Die Rinde habe ich knapp 2 Tage in Regenwasser eingeweicht. Sie begann schon zu fermentieren, es bildeten sich aufsteigende Gasbläschen. Die Rinde samt Einweichwasser kochte ich zwei Stunden.
Bei der Färbung wollte ich zwischen den einzelnen Zügen deutliche Unterschiede erzielen, deutlicher als ich das bei der Färbung letztes Jahr erreicht habe.
Deshalb habe ich den 1. Zug zusammen mit den Rindenteilen gefärbt. Ich habe auf das Einbinden der Rinde verzichtet, da ich bisher mit der Verwendung eines Färbebeutels immer fleckige Ergebnisse erzielt habe. Bei Rinde kann ich eine Kontaktfärbung machen, da sich die Rinden wieder herausschütteln bzw. herauslesen lassen.
Deshalb habe ich die Wolle mit den Rinden in den Topf geschichtet und für eine Stunde geköchelt und einige Stunden im Topf abkühlen lassen. Für den 2. Zug habe ich den Sud abgeseiht und die Wolle, ohne Rinden, ebenfalls eine Stunde gesiedet, anschließend über Nacht abgekühlt.
Ein 3. Zug ist möglich, damit habe ich eine nicht so geglückte Färbung überfärbt.

Die Wolle habe ich dann gewaschen und gespült, im letzten Spülgang mit einem Schuss Essigessenz verwöhnt.

Färbeergebnis:


Rezept 2: 

Beizen nach einer alten anatolischen Methode

ich habe dazu ja bereits im Frühjahr herumexperimentiert und die Ergebnissen hier zusammngefasst.
Auch die Lichtechtheit habe ich geprüft. Aufgrund dieser Ergebnisse, die ich genau so auch mit Apfelrinde erzielte, entschloss ich mich, die Wolle für den zweiten Teil meiner Färbungen mit fermentierendem Hirsemehl durchzuführen.

Gebeizt habe ich für diese Färbung mit 200% gärendem Hirsemehl. Die Gärung habe ich schrittweise in Gang gebracht, indem ich zuerst 50% des Trockengewichts der Wolle an Hirsemehl (175g) in Wasser aufgekocht habe und nach dem Abkühlen ein wenig Sauerteig zugesetzt. (Ich habe 5g  Roggensauerteig verwendet, den habe ich eh immer im Kühlschrank, aber auch flüssiger Sauerteig, wie es ihn zu kaufen gibt, ist geeignet.) Der Sauerteig sorgt dafür, dass die Gärung schneller in Gang kommt, kann aber auch weg bleiben. Nach 2 Tagen habe ich nochmals 50%= 175g Mehl aufgekocht, zu dem ersten Mehlbrei, der bereits blubberte, gegeben, ausreichend Wasser zugegeben und die Wollstränge eingelegt. Nach nochmals 2 Tagen habe ich nochmal 100%= 350g Hirsemehl genauso gekocht und abgekühlt zu der Wolle gegeben. Während der Fermentation fällt der pH- Wert auf 4.

Nach 14 Tagen habe ich die Hälfte für die weitere Färbung entnommen und seeehhhr gründlich gespült.

Fermentationsfärbung mittels kaltem Tauchen nach shades of lynx 

Diese Färbungen werden meiner bescheidenen Erfahrungen her immer relativ pastellig, egal wie ich die Wolle vorbereitet habe. Im genannten Blog wird gar nicht gebeizt. Letztlich war mir diese Färbung zu blass, um euch damit beeindrucken zu können und ich habe sie anschließend überfärbt.
Ich bin schon vor einiger Zeit auf diese spannende Färbemethode gekommen.
Die Basis bildet hier, dass sich andere Farben durch die Fermentation der Färbedrogen erzielen lassen. Ich habe damit dieses Jahr schon einiges ausprobiert, mal mehr, mal weniger erfolgreich.
Dazu werden die natürlichen Hefen, die sich überall und auch auf den Pflanzenteilen befinden zur Hilfe genommen. Die Farbdrogen werden mind. 14 Tage fermentiert. Die dabei entstehenden Gase müssen entweichen können. Man kann einen Behälter mit Gärröhrchen oder Gärglocke verwenden, durch den die entstehenden Gase entweichen können. Oder man nimmt einen verschließbaren Behälter und lässt die Gase 1x täglich manuell entweichen. (Schüttel und Zisch...) Ich habe den Kunststoffbehälter noch etwas zusammengedrückt, so dass für die Gase mehr Platz ist.
links die saure Lösung, so wie sie beim Fermentieren entstand,
rechts die mit Pottasche versetzte Lösung

Daraus werden 2 Färbelösungen hergestellt. ein Teil der Lösung bleibt so wie sie ist, durch die Fermentation fällt der pH- Wert auf 4, die andere Lösung wird auf einen pH- Wert von ca. 9-10, dazu habe ich Pottaschelösung verwendet. Dabei verändert sich die Farbe, wie man hier an den Proben gut sehen kann.






Färbevorgang:

Die Wolle wird für ca. 12 h in die saure Färbelösung gegeben, herausgenommen und getrocknet. danach kommt sie für 30 min in die basische Lösung, auch danach wird sie wieder getrocknet.
Die Wolle nach dem 4-maligen Tauchfärben
 etwas blass, nicht?
Nach jedem Bad muss der pH-Wert der Lösungen geprüft und neu eingestellt. Das Ganze habe ich 4x durchgeführt.
Dei Wolle sah danach ganz gut aus, sie hatte ein pastelliges Orange angenommen. Während des letzten Trocknens habe ich die Farbflotten weiterverwendet.
Leider konzentrierte sich die Farben beim letzten Trocknen am unteren Ende der Stränge. Das ließ sich auch nicht beim Waschen entfernen, das hat mich so geärgert und gestört, dass ich euch die Wolle so nicht zumuten wollte. Das ist mir bei meinen bisherigen Proben noch nicht passiert.

Färbung 1. Zug:

Bei meinen bisherigen Tests ist mir schon aufgefallen, dass die Farbe heiß gefärbt wesentlich intensiver wird, deshalb habe ich einen Zug heiß gefärbt. dazu habe ich beide Flotten der Tauchfärbungen zusammengeschüttet (pH- Wert 5), die Rinden dazugegeben, genauso die (nun 20 Tage) fermentierte und gespülte Wolle und habe das ganze eine Stunde gekocht und über Nacht abkühlen lassen.

Färbung 2. Zug:

Ich habe die Wolle der nicht zufriedenstellenden Tauchfärbung nochmals gefärbt, mit der Flotte der 1. Zuges, allerdings ohne Rindenteile. Und auch das habe ich wieder eine Stunde gekocht.

Die Wolle habe ich dann gewaschen und gespült, im letzten Spülgang kam ein Schuss Essigessenz dazu.

Färbeergebnis:


Ich habe an alle Stränge noch ein kleines Stück Wolle nach dem Beizen angebunden, so dass jeder ein ungebeiztes Pröbchen erhält:
Hier sind die ungebeizten Abbindegarne gut zu erkennen

Bezugsquellen:  

Apfelbaumrinde kann man in einschlägigen Internetshops kaufen. Aber wenn man einen Apfelbaum und dessen Pflegekraft kennt, ist es auch einfach und weniger mühsam als man denkt, die Rinde mit einem Sparschäler vom Holz zu trennen und zu trocknen. Ich habe auch schon gelesen, dass die geschredderten Zweige zum Färben verwendet wurden. Dann würde ich mich nur nicht so genau auf die Prozentangaben verlassen, da dann das nichtfärbende Holz auch Masse hat.

So, die Stränge sind etikettiert, liegen hier und warten auf bunte Geschwister! 

Viele Grüße!
Katja

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