Dienstag, 14. Februar 2017

Brennnesselfaser selber gewinnen

Ein Projekt hat seinen Abschluss gefunden! Ich habe ein kleines Stück echtes Nesselgewebe hergestellt!
ein zugegeben sehr kleines Stück richtigen Nesselstoffs!
Im Netz findet man einige wenige, eher unkonkrete und teilweise widersprüchliche Tips zur Gewinnung von Brennnesselfasern. So gebe ich zu diesen Anleitungen eine genauso planlose, aber bebilderte Anleitung dazu. Genauso Trial-and-Error wie auch andere...
Vielleicht können wir Blogger so mit viel Herdenhalbwissen eine vernünftige, machbare Anleitung zusammentragen...

Dass die Stängel entblättert getrocknet werden, darüber sind sich nahezu alle einig. Dann werden die Stängel aufgespalten und das Holz von den Fasern und Rinde entfernt. Zuerst habe ich die Stängel mit einem feuchten Lappen leicht angefeuchtet und antrocknen gelassen. Dazu habe ich die Stängel mit einer Flasche (oder einer sehr festen Teigrolle) plattgewalzt und dann das Holz von den Fasern abgehoben.
Nachdem dieser Bast nochmal trocknen konnte, habe ich versucht, die Fasern von der Rinde zu befreien. Das scheint der schwierigste Teil zu sein. Wie man sehen kann liegt die (farbige) Rinde über den eigentlichen (hellgrün bis weißen) Fasern. An manchen Stellen wird dann das Hecheln, an anderen das Rubbeln zum Ablösen der Rinde empfohlen. Aber zuerst die Knotenstellen bearbeiten...











Naja, beim Auflösen der Knoten sind mir eigentlich fast immer die Fasern an der Stelle kaputt-gegangen. Das Rubbeln (im Abstand von 2-4 cm anfassen und zwischen den Fingern kreisen - meine Technik)  bringt was, da rieselt schon einiges raus, (s. Bildhintergrund) nur einzelne, saubere Fasern ergibt das nicht, eher ein Filzband.



































Deshalb versuchte ich zu "hecheln". Ich habe dazu die Flickkarde genutzt, das ging mehr schlecht als recht. Aber es ergab schöne parallele Fasern, knapp halb so lang wie das Ausgangsmaterial, aber auch nochmal ne Menge Abfall. Und Einzelfasern waren auch das nicht, es hatte mehr was von zersplitteten Kräusel- Geschenkband. Aber es fühlte sich vielversprechend "weich" an, was sich als Trugschluss entpuppte.
Nach dem Spinnen (Ich habe bisher nur Wolle und Alpaka versponnen, also ne völlig neue Dimension und deshalb sehr ungleichmäßig) hatte ich schon Bedenken, das als Anbindegarn für Pflanzen zu nutzen, steif, bockig und kratzig, meilenweit weg von etwas, was man auf der Haut haben möchte...




Ein "Tester", über dessen Beitrag ich im Flinkhand- Forum gestolpert bin, schrieb, dass sich die Rinde beim Kochen in Seifenlauge löst und feine weiße Fasern übrig bleiben. Also habe ich das probiert, ich habe Schmierseife verwendet, ich wollte das Ergebnis nicht durch optische Aufheller beeinflussen, die ja auch schon mal aus ungebleichter Baumwolle den Naturton rausziehen. Allerdings fehlen da auch Enzyme, die im "normalen" Waschmittel vorhanden sind.


Es ist schon weicher, aber auch das möchte ich noch nicht direkt auf der Haut tragen. Das Garn ist relativ leicht zu zerreißen, es hängen immer noch viele Rindenbestandteile drin und auch der Verbund der Fasern hat sich nicht komplett aufgelöst. Ich bin dabei nicht zimperlich mit dem Garn umgegangen, das hat Rinde gelöst und entfernt, aber eben auch Fasern aus dem unverzwirnten Garn herausgelöst. Einiges landete im Koch- bzw. Spülwasser, anderes stand einfach nur ab.

Ich habe das Garn weiterverarbeitet, um die Verluste beim weiteren Bearbeiten/ Kochversuche geringer zu halten. Aus den knapp 20 m Garn wurde ein 17 cm großes Quadrat spiegelgewebt. Das ging aufgrund der ungleichen und rauen Garnstruktur nicht gut. Die Fasern, die aus dem Zwirn ragen, verhaken sich beim Weben zu sehr, auch scheint die Faser + Rinde sehr leicht brüchig zu sein.







Anschließend wurde es mit Vollwaschmittel gekocht. Keine Rinde mehr drin! Yeah!
Jetzt ist es wirklich ziemlich weiß, etwa wie ein Champagner- Ton mit einem Hauch grün! Ob das nun nur an der entfernten Rinde liegt oder auch am optischen Aufheller bleibt offen. Beim nächsten Mal würde ich Gallseife (Enzyme) oder Fleckensalz (Mix an Enzymen und Sauerstoffbleicher, kein opt. Aufheller) verwenden.





Nach dem Trocken war es noch sehr fest und kratzig, was ich jedoch "wegkneten" konnte. So kann man es der Haut zumuten.

Deshalb ist eine weitere Überlegung, die Rinde nur so weit wie nötig zu entfernen um den Verbund in schmale Streifen zu zerlegen, dann zu spinnen und zu zwirnen oder zu weben, dann erst die Nachbehandlung mit der Entfernung der Rinde durchzuführen. Ne Hechel wäre dann unumgänglich. Gegenargumente hier.

Falls ich weitere Versuche mache (ab August, das Rohstoff ist ja nachwachsend) würde ich Faser und Rinde wie gehabt vom Holz befreien und dann möglichst fein aufspalten, also relativ grob hecheln, dann verarbeiten und anschließend die Rinde auf chemischen Wege entfernen.
Ich bin jetzt aber auch noch über die Variante mit Röste und einem Verspinnen als Kardenband gestoßen, auch noch eine Überlegung wert...
Ich hoffe auf Kommentare oder Tips. Wer hat das wie schon mal ähnlich oder effizienter hinbekommen? Gern auch Links auf eure/ andere Ergebnisse! Wär doch schade, ein solches Potential dieser wunderbaren, überall verfügbaren Pflanze nicht zu nutzen!

Viele Grüße!

Katja

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen